Trauer um Jochen Marquardt

Mit Leidenschaft für die Gerechtigkeit. Kritisch und immer mit Humor, so prägt Jochen Marquardt viele Menschen in seinem Umfeld. Die politische Bildung, vor allem die Menschen haben einen großartigen Gewerkschafter viel zu früh verloren. Ich habe so gerne mit ihm die letzten vier Jahre im Vorstand und in den Vortragsveranstaltungen gearbeitet. Die Begegnungen mit ihm haben mich beeindruckt und bereichert. Das werde ich nie vergessen lieber Jochen. Du wirst für mich immer einer der prägendsten Gewerkschafter für die Gerechtigkeit bleiben. Ich trauere mit allen Angehörigen, Freund*innen und Kolleg*innen.

Jan Sudhoff
Geschäftsführer Arbeit und Leben Berg-Mark

Impressionen Studienreise „Renaissance in Florenz“

Anfang April machte sich eine Arbeit und Leben Reisegruppe auf nach Florenz. Dort beschäftigten sich die 24 Teilnehmenden unter Leitung von Jürgen Lange (Hammer Geschichtsverein) eine Woche lang intensiv mit der Entstehung der Renaissance, ihrer Hochzeit und ihrer Auswirkungen bis heute. Dazu standen Besichtigungen der zahlreichen Gebäude, Kunstwerke und Grabmale, die noch heute den Eindruck der Stadt prägen, auf dem Programm. Auch Zeit für Hintergrundgespräche mit Expertinnen und Experten blieb den Teilnehmenden. Das Foto zeigt die Gruppe im Museo dell'Opera di Santa Maria del Fiore, dem Dombaumuseum von Florenz.

Unsere nächsten Studienreisen führen unter anderem durch das Maastal und nach Leipzig. Weitere Informationen und alle Studienreisen im Überblick finden Sie hier.

Foto: Gustav Nell

Das Regionalbüro auf Facebook

Seit Ende letzten Jahres ist das Regionalbüro Arbeit und Leben Berg-Mark auch auf Facebook vertreten. Hier informieren wir - wie auch weiterhin auf unserem Internetauftritt - über unsere Studienreisen und Seminare, geben aber auch Einblick hinter die Kulissen. Dort veröffentlichen wir auch Bilder von unseren Seminaren, Veranstaltungshinweise unserer Kooperationspartner und aktuelle Informationen aus Wuppertal, Hagen und Solingen. Über ein „Gefällt mir“ würden wir uns freuen!

„Religionskriege: Wer glaubt das denn?“ - Vortrag von Andreas Zumach

Diese Frage war der etwas provokante Titel der „Gegen den Strom“-Veranstaltung, zu der DGB, VHS und Arbeit & Leben diesmal an Dienstagabend ins Kulturzentrum Pelmke eingeladen hatten. Als fachkundiger Experte stand der Journalist und Autor Andreas Zumach auf der Rednerbühne. Ob dessen Auftritt vor wenigen Tagen in der Talkshow von Maybritt Illner dazu beigetragen hatte, dass 130 Teilnehmer den Raum bis auf den allerletzten Platz gefüllt haben, blieb offen. Anders die Geschichte der Religionen in großen Zeitabschnitten. Zumach ging über mehr als 2000 Jahre zurück und arbeitete präzise die Wegpunkte großer Kriege heraus, die vorgeblich im Namen des Glaubens geführt worden waren. Auf der Basis seiner Grunddefinition von Religionskriegen: „Kriege, die um der Religion willen geführt werden“ wies er auf die Erkenntnis von Prof. Heiner Bielefeld (UN-Sonderberichterstatters für Religions- und Weltanschauungsfreiheit) hin, für den es keine reinen Religionskriege gibt. Vor allem seien es Macht- und Wirtschaftsinteressen und deren sozialen Auswirkungen, die zu Krieg und Gewalt führten, so Zumach. Dabei erläuterte er historische Entwicklungen und unterstrich seine Einschätzung durch konkrete Beispiele. Nicht zuletzt durch einen Blick zurück in die Zeiten des Kolonialismus zeichnete er diese Geschichte der nah-östlichen Krisenregion überzeugend nach und führte damit den Nachweis, dass auslösenden Faktoren oftmals zeitlich weit zurückliegen können. Die Versuche die aktuellen Kriege auf religiöse Unterschiede innerhalb des Islam oder zwischen Islam und Christentum zu reduzieren, hält er für gänzlich falsch. In den aktuell im Zentrum der Konflikte stehenden Ländern gehe es zumeist eher um weltliche Interessenkonflikte zwischen Schiiten und Sunniten und um jeweilige Macht- und Unterdrückungsprozesse, die gegeneinander stehen. Für den Referenten haben dabei die westlichen Länder und deren Politik in der Vergangenheit eine hohe Verantwortung. Immer wieder hätten sie die jeweiligen Machthaber solange unterstützt, wie sie den eigenen Vorstellungen und Interessen entsprachen. Unter anderem verwies Andreas Zumach auf das Beispiel des früheren Persiens (heute Iran), in dem in den 1950er Jahren die demokratische Regierung mit Hilfe westlicher Geheimdienst weggeputscht worden war, um die Interessen großer westlicher Ölkonzerne zu schützen. Nach der „islamischen Revolution“ Ende der 1970er wurde dann der Irak unter Saddam Hussein als Verbündeter des Westens in der Region aufgebaut und im Krieg gegen Iran massiv mit Waffen unterstützt. Das Beispiel verdeutliche, dass die Interessenpolitik der westlichen Länder, wenn ihnen die politischen Verhältnisse nicht mehr passen, die Machtstrukturen umstellen, ohne die jeweiligen Bedingungen in den Ländern, deren kulturellen und sozialen Bedingungen und Bevölkerungszusammensetzungen zu beachten. Dieses Vorgehen wird oftmals durch Waffenexporte und nicht selten unter Einsatz direkter oder indirekter Gewalt unterstützt. Im Zentrum dieser Strategie standen dabei vor allem Machtinteressen und wirtschaftliche Vorteile, zum Beispiel zur Sicherung von Rohstoffzugängen. Die heutige Eskalation der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten birgt für Zumach große Gefahren und ist aus seiner Sicht mit den aktuellen militärischen Optionen nicht zu lösen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass einerseits die Lage in den betroffenen Regionen fast unüberschaubar wäre und die dortigen Kämpfe unerträgliches Leid für die Menschen bedeute und es andererseits auch keine Akzeptanz von verbrecherischen Gruppen wie dem islamischen Staat und anderen geben dürfe. Allerdings reiche das nicht aus, um die vorhandenen Probleme zu lösen. Sowohl in den Konfliktregionen selbst, als auch bei den sehr unterschiedlichen Interessenlagen beteiligter Außenstaaten, wie Saudi-Arabien, Katar, Russland, Türkei, die USA und Europa müssten neue Wege gegangen werden. Eindrucksvoll sein Hinweis darauf, dass im stattfindenden Syrien-Krieg bisher bereits 40.000 Raketen und Bomben in rund 11.000 Einsätzen keinen Fortschritt bei der Befriedung des Landes gebracht hätten. Seine Antwort auf eine der vielen Publikumsfragen, was nun zu tun sei, um den IS zu bekämpfen, war unter anderem:
1. Die Finanzströme aus Saudi-Arabien und Katar für den islamischen Staat müssen gekappt werden, um dessen gut gefüllte Kriegskasse trocken zu legen. 2. Waffenexporte auf direktem und indirektem Weg müssen eingestellt werden. 3. Es gilt eine Neuordnung in den Ländern zu organisieren und dabei die beteiligten Akteure einzubeziehen.
Für Deutschland und Europa hält er es für besonders wichtig, die Rüstungsexporte zu stoppen und die bestehende Politik der Wirtschafts- und die Agrarsubventionen zu beenden. Denn diese trüge in vielen Ländern zu weiterer Not und Elend bei, was dem bekundeten religiösem Fanatismus in die Hände spiele. Zum Schluss wies der in Genf aktive Journalist darauf hin, dass es vor allem darum gehen müsse, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen so zu organisieren, dass die Menschen in diesen Regionen ihr Leben lebenswert gestalten können. Das würde nicht nur in Richtung friedlicher Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten, sondern könnte auch dazu beitragen, die Fluchtursachen zu beseitigen. Jochen Marquardt, der die spannende Veranstaltung moderierte, rief zum Ende dazu auf, die Informationen mitzunehmen und gemeinsam zu überlegen, welcher Beitrag im eigenen Land, in der eigenen Arbeit geleistet werden könnte, um Einfluss auf Politik und Wirtschaft zu nehmen.

Die Ruhrfestspiele feiern mit dem aktuellen Programm „Mittelmeer – Mare Nostrum?“ ihr 70 jähriges Bestehen

Am 13. Mai und 27. Mai besuchen wir gemeinsam ausgewählte Stücke mit bekannten Schauspieler_innen in Recklinghausen mit einer gemeinsamen Anfahrt von der Stadthalle Wuppertal. Das Programm finden Sie hier.

Ruhrfestspiele
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