Auf den Spuren der Mörder der Einsatzgruppe C in der Ukraine - Gedenk- und Bildungsreise nach Kiew und Dnipropetrowsk


Unsere 6-tägige Studienreise führt uns nach Kiew und Dnipropetrowsk. Im Mittelpunkt der Reise stehen die Massenverbrechen der Einsatzgruppe C in Baby Yar und in Dnipropetrowsk heute vor 75 Jahren.
Unter den Mördern waren auch Polizisten und SS-Männer aus dem Bergischen Land.
1. Station ist die ukrainische Hauptstadt Kiew. Wir besuchen die Gedenkstätte in Baby Yar. Die Schlucht von Baby Yar war 1941 der Schauplatz der größten einzelnen Mordaktion an jüdischen Männern, Frauen und Kindern im Zweiten Weltkrieg. Den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD ermordeten am 29. und 30. September 1941 mehr als 33.000 Juden.

2. Station ist Dnipropetrowsk - Die Stadt liegt 400 Kilometer südöstlich der ukrainischen Hauptstadt Kiew an beiden Ufern des Dnepr. Die Stadt entwickelte sich bis Anfang des 20. Jahrhunderts zu einer bevölkerungsreichen Industriestadt, die besonders für Metallverarbeitung bekannt war. Auch mehr und mehr Menschen mit jüdischem Glauben zogen nach Dnipropetrowsk: Es entwickelte sich ein reiches jüdisches Leben mit zahlreichen Synagogen, Vereinen und politischen Gruppen. 1939 waren von den insgesamt 526.000 Einwohnern der Stadt etwa 89.000 Juden.
Nicht alle Juden konnten rechtzeitig vor dem Einmarsch der Wehrmacht evakuiert werden. Etwa 12.000 Juden aus Dnipropetrowsk wurden von Einsatzkommandos, Ordnungspolizei und ukrainischer Hilfspolizei zusammengetrieben und ermordet. Darüber hinaus ermordete das Einsatzkommando 6 der Einsatzgruppe C bis zum 12. November 1941 800 Insassen der psychiatrischen Anstalt Igrin.
Nach der Befreiung kehrten viele Juden nach Dnipropetrowsk. 1970 lebten wieder 70.000 Juden in der Industriestadt, die allerdings nur eine Synagoge nutzen konnten. In den 70iger und 80iger Jahren wanderten aber viele Juden nach Israel aus. 2012 eröffnete in Dnipropetrowsk das nach eigenen Angaben größte jüdische Kulturzentrum der Welt. Das aus fünf Türmen bestehende Ensemble namens »Zentrum Menorah« wurde um eine alte Synagoge herum gebaut. Das Zentrum, beherbergt unter anderem ein Hotel, ein Kongresszentrum und ein »Museum jüdischer Erinnerung und Holocaust in der Ukraine«. Veranstalter: Regionalbüro Arbeit und Leben DGB/VHS Berg-Mark
in Zusammenarbeit mit dem Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal.

Termin:            Donnerstag, 10.11. – Dienstag,15.11.2016
Leitung:           Dr. Stephan Stracke, Lieselotte Bhatia und Volodymyr Malyutin Leistung:         Eintritte und Führung laut Programm (mit Übersetzung), 5 Nächte im DZ, Mobilität vor Ort (Zug und Taxi)
Nicht enthalten: Anreise und Verpflegung
Kosten:            ca. 450 €; EZ-Zuschlag: auf Nachfrage; eigene Anreise  
Ein Reisepass ist zur Einreise erforderlich
 
Dieses Studienseminar ist als Bildungsurlaub nach dem Arbeitnehmerweiterbildungsgesetz NRW wahrnehmbar.

Anmeldungen unter:
stephan.stracke(at)yahoo(dot)de     
 Programm:  
Mögliche Anreise 10.11.2016 19:55 - 23:25
Uhr (WIZZ Air ab Dortmund) 11.11.2016, Kiew 9.00-10:30 Uhr  Begrüßung und  Einführung in die Stadtgeschichte von Kiew (Volodymyr Malyutin, Dr. Stephan Stracke) 10:45-13:00 Uhr Historischer Stadtrundgang (Volodymyr Malyutin) 14.00-18.00 Uhr  Vortrag, Führung, Diskussion im Nationalen Museum der Geschichte der Ukraine im Zweiten Weltkrieges und der jüdischen Gemeinde (Volodymyr Malyutin) 20:00-21.30 Uhr Input und Gesprächsrunde zur ukrainischen Geschichtspolitik (Volodymyr Malyutin, Dr. Stephan Stracke und ukrainischen Gästen)
12.11.2016 Kiew
9:00-13.00 Uhr  Vortrag, Führung, Diskussion in der Gedenkstätte in Baby Yar, im Anschluss Treffen mit Zeitzeug_innen (Volodymyr Malyutin) 15.00-18.00 Uhr Input und Gesprächsrunde zum Thema: Stepan Bandera und die OUN/UPA  (Dr. Stephan Stracke, ukrainische Gäste) 20:00-21:30 Uhr  Input und Gesprächsrunde zum Maidan (Dr. Stephan Stracke, ukrainische Gäste)
13.11.2016 Dnipropetrowsk
6.00-12.00 Uhr Zugfahrt nach Dnepropetrowsk 14.00-18:00 Uhr Vortrag, Führung, Diskussion im  Historischen Museum und historischer Stadtrundgang und Straßenbahnfahrt 20.00 -21:30 Uhr Vortrag: Die Morde der Einsatzgruppe C in Dnepropetrowsk (Dr. Stephan Stracke, Lieselotte Bhatia)
14.11.2016 Dnipropetrowsk
9:00-11.15 Uhr  Gedenkfeier in Igren für die vor 75 Jahren ermordeten Psychatrie-PatientInnen  13.00-17:00 Uhr Das jüdische Dnepropetrowsk. Besuch der Synagoge im Zentrum Menorah und Besuch des Museums jüdischer Erinnerung und Holocaust in der Ukraine. 18:00-24:00 Uhr Rückfahrt nach Kiew
15.11.2016 Kiew
9:00-13:00 Uhr Erzählcafé mit ehemaligen ukrainischen ZwangsarbeiterInnen und Kriegsgefangenen (Volodymyr Malyutin) 14.00-15.30 Uhr  Abschluss des Seminars
Möglicher Abflug nach Deutschland 17:45 - 19:30


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Qualifikation zur Zivilcourage Trainer_in

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Zivilcouragiertes Handeln erscheint wichtiger denn je zu sein. In der Qualifizierung Soziales Lernen in der politischen Bildung entdecken und besprechen wir gemeinsam Konflikte im gesellschaftlichen Zusammenleben. Weitere Informationen finden Sie im Flyer.

Kulissenkurs besucht Bergisches ServiceCenter

Gestern war der Kulissenkurs von Jasmin Striboll zu Besuch im Bergischen ServiceCenter. Hier landen alle Anrufer, die die zentrale Rufnummer der Städte Wuppertal, Remscheid und Solingen wählen. Die Mitarbeiter_innen können auf der Grundlage einer Wissensdatenbank, die kontinuierlich vervollständigt wird, Antwort auf fast jede Frage geben. Zunächst wurde das Center im Jahr 2008 für die Stadt Wuppertal eingerichtet, in den folgenden zwei Jahren schlossen sich dann auch die Städte Remscheid und Solingen an.

(Übrigens: Ein Einstieg in unsere Kulissenkurse ist jederzeit möglich! Weitere Informationen hier.)

Kulissenkurs besucht Moschee

Am 01.06.2016 war der Kulissenkurs von Franziska Fürst zu Gast in der Moschee der Islamischen Gemeinde Wuppertal e.V. in der Wittensteinstraße. Wir danken unseren Gastgebern für den herzlichen Empfang, den Einblick in ihr Gemeindeleben und kontroverse Diskussionen.

(Übrigens: Ein Einstieg in unsere Kulissenkurse ist jederzeit möglich! Weitere Informationen hier.)

Trauer um Jochen Marquardt

Mit Leidenschaft für die Gerechtigkeit. Kritisch und immer mit Humor, so prägt Jochen Marquardt viele Menschen in seinem Umfeld. Die politische Bildung, vor allem die Menschen haben einen großartigen Gewerkschafter viel zu früh verloren. Ich habe so gerne mit ihm die letzten vier Jahre im Vorstand und in den Vortragsveranstaltungen gearbeitet. Die Begegnungen mit ihm haben mich beeindruckt und bereichert. Das werde ich nie vergessen lieber Jochen. Du wirst für mich immer einer der prägendsten Gewerkschafter für die Gerechtigkeit bleiben.

Ich trauere mit allen Angehörigen, Freund*innen und Kolleg*innen.

Jan Sudhoff
Geschäftsführer Arbeit und Leben Berg-Mark

Impressionen Studienreise „Renaissance in Florenz“

Anfang April machte sich eine Arbeit und Leben Reisegruppe auf nach Florenz. Dort beschäftigten sich die 24 Teilnehmenden unter Leitung von Jürgen Lange (Hammer Geschichtsverein) eine Woche lang intensiv mit der Entstehung der Renaissance, ihrer Hochzeit und ihrer Auswirkungen bis heute. Dazu standen Besichtigungen der zahlreichen Gebäude, Kunstwerke und Grabmale, die noch heute den Eindruck der Stadt prägen, auf dem Programm. Auch Zeit für Hintergrundgespräche mit Expertinnen und Experten blieb den Teilnehmenden. Das Foto zeigt die Gruppe im Museo dell'Opera di Santa Maria del Fiore, dem Dombaumuseum von Florenz.

Unsere nächsten Studienreisen führen unter anderem durch das Maastal und nach Leipzig. Weitere Informationen und alle Studienreisen im Überblick finden Sie hier.

Foto: Gustav Nell

Das Regionalbüro auf Facebook

Seit Ende letzten Jahres ist das Regionalbüro Arbeit und Leben Berg-Mark auch auf Facebook vertreten. Hier informieren wir - wie auch weiterhin auf unserem Internetauftritt - über unsere Studienreisen und Seminare, geben aber auch Einblick hinter die Kulissen. Dort veröffentlichen wir auch Bilder von unseren Seminaren, Veranstaltungshinweise unserer Kooperationspartner und aktuelle Informationen aus Wuppertal, Hagen und Solingen. Über ein „Gefällt mir“ würden wir uns freuen!

„Religionskriege: Wer glaubt das denn?“ - Vortrag von Andreas Zumach

Diese Frage war der etwas provokante Titel der „Gegen den Strom“-Veranstaltung, zu der DGB, VHS und Arbeit & Leben diesmal an Dienstagabend ins Kulturzentrum Pelmke eingeladen hatten. Als fachkundiger Experte stand der Journalist und Autor Andreas Zumach auf der Rednerbühne. Ob dessen Auftritt vor wenigen Tagen in der Talkshow von Maybritt Illner dazu beigetragen hatte, dass 130 Teilnehmer den Raum bis auf den allerletzten Platz gefüllt haben, blieb offen. Anders die Geschichte der Religionen in großen Zeitabschnitten. Zumach ging über mehr als 2000 Jahre zurück und arbeitete präzise die Wegpunkte großer Kriege heraus, die vorgeblich im Namen des Glaubens geführt worden waren. Auf der Basis seiner Grunddefinition von Religionskriegen: „Kriege, die um der Religion willen geführt werden“ wies er auf die Erkenntnis von Prof. Heiner Bielefeld (UN-Sonderberichterstatters für Religions- und Weltanschauungsfreiheit) hin, für den es keine reinen Religionskriege gibt. Vor allem seien es Macht- und Wirtschaftsinteressen und deren sozialen Auswirkungen, die zu Krieg und Gewalt führten, so Zumach. Dabei erläuterte er historische Entwicklungen und unterstrich seine Einschätzung durch konkrete Beispiele. Nicht zuletzt durch einen Blick zurück in die Zeiten des Kolonialismus zeichnete er diese Geschichte der nah-östlichen Krisenregion überzeugend nach und führte damit den Nachweis, dass auslösenden Faktoren oftmals zeitlich weit zurückliegen können. Die Versuche die aktuellen Kriege auf religiöse Unterschiede innerhalb des Islam oder zwischen Islam und Christentum zu reduzieren, hält er für gänzlich falsch. In den aktuell im Zentrum der Konflikte stehenden Ländern gehe es zumeist eher um weltliche Interessenkonflikte zwischen Schiiten und Sunniten und um jeweilige Macht- und Unterdrückungsprozesse, die gegeneinander stehen. Für den Referenten haben dabei die westlichen Länder und deren Politik in der Vergangenheit eine hohe Verantwortung. Immer wieder hätten sie die jeweiligen Machthaber solange unterstützt, wie sie den eigenen Vorstellungen und Interessen entsprachen. Unter anderem verwies Andreas Zumach auf das Beispiel des früheren Persiens (heute Iran), in dem in den 1950er Jahren die demokratische Regierung mit Hilfe westlicher Geheimdienst weggeputscht worden war, um die Interessen großer westlicher Ölkonzerne zu schützen. Nach der „islamischen Revolution“ Ende der 1970er wurde dann der Irak unter Saddam Hussein als Verbündeter des Westens in der Region aufgebaut und im Krieg gegen Iran massiv mit Waffen unterstützt. Das Beispiel verdeutliche, dass die Interessenpolitik der westlichen Länder, wenn ihnen die politischen Verhältnisse nicht mehr passen, die Machtstrukturen umstellen, ohne die jeweiligen Bedingungen in den Ländern, deren kulturellen und sozialen Bedingungen und Bevölkerungszusammensetzungen zu beachten. Dieses Vorgehen wird oftmals durch Waffenexporte und nicht selten unter Einsatz direkter oder indirekter Gewalt unterstützt. Im Zentrum dieser Strategie standen dabei vor allem Machtinteressen und wirtschaftliche Vorteile, zum Beispiel zur Sicherung von Rohstoffzugängen. Die heutige Eskalation der Konflikte im Nahen und Mittleren Osten birgt für Zumach große Gefahren und ist aus seiner Sicht mit den aktuellen militärischen Optionen nicht zu lösen. Er ließ keinen Zweifel daran, dass einerseits die Lage in den betroffenen Regionen fast unüberschaubar wäre und die dortigen Kämpfe unerträgliches Leid für die Menschen bedeute und es andererseits auch keine Akzeptanz von verbrecherischen Gruppen wie dem islamischen Staat und anderen geben dürfe. Allerdings reiche das nicht aus, um die vorhandenen Probleme zu lösen. Sowohl in den Konfliktregionen selbst, als auch bei den sehr unterschiedlichen Interessenlagen beteiligter Außenstaaten, wie Saudi-Arabien, Katar, Russland, Türkei, die USA und Europa müssten neue Wege gegangen werden. Eindrucksvoll sein Hinweis darauf, dass im stattfindenden Syrien-Krieg bisher bereits 40.000 Raketen und Bomben in rund 11.000 Einsätzen keinen Fortschritt bei der Befriedung des Landes gebracht hätten. Seine Antwort auf eine der vielen Publikumsfragen, was nun zu tun sei, um den IS zu bekämpfen, war unter anderem:
1. Die Finanzströme aus Saudi-Arabien und Katar für den islamischen Staat müssen gekappt werden, um dessen gut gefüllte Kriegskasse trocken zu legen. 2. Waffenexporte auf direktem und indirektem Weg müssen eingestellt werden. 3. Es gilt eine Neuordnung in den Ländern zu organisieren und dabei die beteiligten Akteure einzubeziehen.
Für Deutschland und Europa hält er es für besonders wichtig, die Rüstungsexporte zu stoppen und die bestehende Politik der Wirtschafts- und die Agrarsubventionen zu beenden. Denn diese trüge in vielen Ländern zu weiterer Not und Elend bei, was dem bekundeten religiösem Fanatismus in die Hände spiele. Zum Schluss wies der in Genf aktive Journalist darauf hin, dass es vor allem darum gehen müsse, die sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen so zu organisieren, dass die Menschen in diesen Regionen ihr Leben lebenswert gestalten können. Das würde nicht nur in Richtung friedlicher Lösungen einen wichtigen Beitrag leisten, sondern könnte auch dazu beitragen, die Fluchtursachen zu beseitigen. Jochen Marquardt, der die spannende Veranstaltung moderierte, rief zum Ende dazu auf, die Informationen mitzunehmen und gemeinsam zu überlegen, welcher Beitrag im eigenen Land, in der eigenen Arbeit geleistet werden könnte, um Einfluss auf Politik und Wirtschaft zu nehmen.